Zum Inhalt springen
Aktuell

App entwickeln lassen mit Freelancer: worauf Sie achten

App entwickeln lassen mit Freelancer: wie Sie zwei Angebote vergleichbar machen, was in DE und CH zu Code-Rechten gilt und wann eine Agentur besser passt.

Aparajita Singh
Aparajita Singh
Veröffentlicht
Lesezeit9 min
App entwickeln lassen mit Freelancer: worauf Sie achten

Ich arbeite im Vertrieb einer Agentur. Trotzdem finde ich, dass ein Teil der Leute, die «App entwickeln lassen Freelancer» bei Google eintippen, mit einem Freelancer tatsächlich besser fährt. Wenn es im Erstgespräch danach aussieht, sage ich das auch. Ein Projekt, das nicht zu uns passt, macht später beiden Seiten Ärger.

Ich bin Aparajita Singh und arbeite im Business Development bei CODT Technologies. Ich schreibe keinen Code. Ich führe die Gespräche vorher: Was hat jemand vor, und was hat er schon versucht? Aus diesen Gesprächen ist dieser Text entstanden. Er ist eine Ergänzung zu unserem Leitfaden Freelancer oder Agentur, der die beiden Modelle Punkt für Punkt vergleicht. Hier geht es um den Moment davor: Sie haben zwei Angebote auf dem Tisch und müssen sich entscheiden.

App entwickeln lassen mit Freelancer: die kurze Antwort

Einen App-Entwickler als Freelancer zu beauftragen lohnt sich, wenn die Aufgabe klein und klar ist, nur eine Disziplin braucht und jemand bei Ihnen technisch führt. Prüfen Sie vorher drei Dinge: denselben schriftlichen Umfang in jedem Angebot, die ausschliesslichen Nutzungsrechte am Code im Vertrag und, bei langer Zusammenarbeit, ob die Person wirklich selbstständig ist.

Der Moment, in dem Sie sich entscheiden

Nehmen wir an, zwei Angebote liegen nebeneinander, und sie lassen sich nicht direkt vergleichen. Auf dem einen steht ein Stundensatz oder Tagessatz und eine Schätzung in Tagen. Auf dem anderen ein Festpreis für einen beschriebenen Umfang. Die erste Zahl wirkt kleiner. Sie misst aber etwas anderes: Die Schätzung sagt, was es kostet, wenn alles so läuft wie gedacht. Der Festpreis sagt, was es kostet, egal wie es läuft, solange der Umfang gleich bleibt.

Bevor Sie also Zahlen vergleichen, machen Sie die beiden Angebote vergleichbar. Drei Dinge helfen dabei.

Gleicher Umfang auf beiden Seiten. Schreiben Sie eine Seite mit dem, was die erste Version können muss, und schicken Sie beiden dieselbe Seite. Ohne das vergleichen Sie zwei verschiedene Apps.

Was nicht drinsteht. Store-Einreichung, ein Admin-Bereich, Tests, das Backend, der Betrieb nach dem Launch. Manches davon fehlt in einem Angebot einfach, weil niemand danach gefragt hat. Fragen Sie schriftlich danach.

Die Wochen. Unser App-Aufwandsrechner zeigt Team und Kalenderwochen. Preise nennt er keine. Für ein schlankes MVP rechnet er mit 2–3 Entwicklern und 8–14 Wochen. Wenn eine einzelne Person Ihnen denselben Umfang in derselben Zeit zusagt, fragen Sie nach, was sie anders macht. Fertige Bausteine sind eine gute Antwort. Kommt keine klare Antwort, gehen Sie die Seite mit dem Umfang Punkt für Punkt mit ihr durch.

Dann gibt es noch die Frage, die selten in einem Angebot steht: Wer hat bei Ihnen Zeit? Bei einem Freelancer übernehmen Sie die Projektleitung. Sie priorisieren, testen, entscheiden, und wenn Sie für Design und Backend zwei Personen beauftragen, sorgen Sie auch dafür, dass deren Arbeit zusammenpasst. Wenn Sie dafür Zeit haben und es gern machen, sparen Sie tatsächlich. Fragen Sie sich vor der Unterschrift, wo diese Stunden in Ihrer Woche herkommen sollen.

Zwei Rechtsfragen, die in Deutschland und der Schweiz dazugehören

Dieser Abschnitt ist keine Rechtsberatung, und Ihren Vertrag sollte eine Anwältin oder ein Anwalt prüfen. Zwei Punkte gehören in Deutschland und der Schweiz aber zur Entscheidung, und es hilft, sie vorher zu kennen.

Wem gehört der Code? In Deutschland lässt sich das Urheberrecht nicht übertragen (§ 29 UrhG). Eingeräumt werden Nutzungsrechte, einfach oder ausschliesslich (§ 31 UrhG). Für Software, die Angestellte im Rahmen ihrer Arbeit schreiben, regelt das Gesetz die Rechte zugunsten des Arbeitgebers (§ 69b UrhG). Ein Freelancer ist aber kein Angestellter. Für Sie heisst das: Lassen Sie sich im Vertrag die ausschliesslichen Nutzungsrechte am Code einräumen, bevor die Arbeit beginnt, und zählen Sie die Nutzungsarten einzeln auf, zum Beispiel bearbeiten, weiterentwickeln, vervielfältigen, in den Stores veröffentlichen und an Dritte weitergeben. Steht nichts Genaues drin, richtet sich der Umfang nach dem Vertragszweck, und darüber kann man später streiten. In der Schweiz ist das Urheberrecht übertragbar, und wer ein Teilrecht überträgt, überträgt die anderen nur mit, wenn das vereinbart ist (Art. 16 URG). Auch dort gehört deshalb die Übertragung aller Rechte am Code in den schriftlichen Vertrag, egal ob mit Freelancer oder Agentur.

Ist der Freelancer wirklich selbstständig? Wenn eine Person monatelang nur für Sie arbeitet, nach Ihren Weisungen und eingebunden in Ihr Team, kann das als Beschäftigung gelten. Zwei dieser Anhaltspunkte nennt das deutsche Sozialrecht ausdrücklich: Weisungen und die Eingliederung in die Arbeitsorganisation (§ 7 SGB IV). Klarheit gibt das Statusfeststellungsverfahren bei der Deutschen Rentenversicherung (§ 7a SGB IV). In der Schweiz entscheidet die Ausgleichskasse im Einzelfall, und laut AHV-Merkblatt 2.02 zählen dabei die wirtschaftlichen Verhältnisse, nicht der Vertrag. Wer nur für einen einzigen Auftraggeber arbeitet, wird dort üblicherweise als unselbstständig eingestuft. Bei einem klar abgegrenzten Projekt mit einem eigenen Ergebnis ist das Risiko nach meinem Verständnis kleiner. Ein «Freelancer», der faktisch Ihr App-Entwickler in Vollzeit ist, sollte ein Thema für Ihren Treuhänder oder Steuerberater sein.

Bei einer Agentur gehört die Einräumung der Nutzungsrechte am Code genauso in den Vertrag.

Was Sie die beiden Seiten fragen sollten

Für diese Fragen reicht eine Stunde pro Gespräch. Die Spalten unterscheiden sich, weil ein Einzelner andere Risiken trägt als ein Team.

ThemaFrage an den FreelancerFrage an die Agentur
Wer arbeitet daranMachen Sie alles selbst, oder geben Sie Teile weiter? An wen?Welche Personen bauen meine App? Darf ich sie vor dem Vertrag kennenlernen?
AusfallWas passiert mit meinem Projekt, wenn Sie zwei Wochen krank sind?Was passiert, wenn mein Entwickler das Team verlässt?
Code und ZugängeLiegt der Code von Anfang an in meinem Repository, und erscheint die App unter meinem Store-Konto?Dasselbe. Und: Räumen Sie mir die Nutzungsrechte am Code schriftlich ein?
UmfangWas ist in Ihrer Schätzung nicht enthalten?Was ist ausdrücklich nicht im Umfang enthalten?
Nach dem LaunchHaben Sie in sechs Monaten noch Zeit für Updates?Wer betreut die App nach dem Launch, und zu welchen Bedingungen?
ReferenzKann ich mit einem früheren Kunden sprechen?Kann ich mit einem Kunden sprechen, dessen App seit Jahren läuft?

Die Frage nach dem Store-Konto wirkt nebensächlich. Wenn die App unter dem Entwicklerkonto des Freelancers veröffentlicht wird, hängt Ihr Produkt an seinem Konto. Legen Sie eigene Entwicklerkonten bei Apple und Google an, und geben Sie dem Entwickler dort Zugriff. Das gilt für Agenturen genauso.

Achten Sie auch darauf, wie schnell die Antworten kommen. Bei «Was passiert, wenn Sie krank sind?» würde ich eine fertige Antwort erwarten, mit einem Namen oder einem Plan.

Wann ich Ihnen zu einem Freelancer rate

Ihre App läuft schon, und der Freelancer, der sie gebaut hat, ist gut und erreichbar. Bleiben Sie bei ihm. Ein Wechsel kostet immer Einarbeitung, und eine grössere Firma ist nicht automatisch besser für Ihr Produkt. Wechseln Sie erst, wenn er nicht mehr verfügbar ist oder die App über das hinauswächst, was eine Person stemmen kann. Ob eine ältere App dann einen Neubau braucht oder sich schrittweise erneuern lässt, beschreibt Aman Tiwari in seinem Beitrag «Fühlt sich Ihre App veraltet an?».

Sie haben jemanden mit technischer Führung im Haus. Einen CTO oder einen erfahrenen Entwickler, der Aufgaben aufteilen, Code lesen und abnehmen kann. Dann braucht es keine Agentur für die Koordination. Ein oder zwei gute Freelancer unter der Führung dieser Person können sehr gut funktionieren.

Sie brauchen einen Klick-Prototyp für ein Investorengespräch. Etwas, das man zeigt und danach wegwirft. Dafür ist eine Agentur mit Workshop, schriftlichem Umfang und wöchentlichen Demos zu viel Apparat.

Es ist eine einzelne, gut beschriebene Aufgabe. Eine Zahlungsanbindung oder ein Update auf eine neue iOS-Version. Ein freier App-Entwickler, der genau das schon oft gemacht hat, ist hier vermutlich schneller als jedes Team.

Und noch etwas: Wenn Ihr Budget nur für eine Person reicht, nehmen Sie lieber einen sehr guten Freelancer als eine Agentur, die das Budget nur halten kann, weil sie Ihnen ihre unerfahrensten Leute gibt. Fragen Sie im Zweifel genau danach.

Wann eine App-Agentur die sicherere Wahl ist

Wer eine App bei einer Agentur entwickeln lassen will, kauft vor allem ein Ergebnis, das nicht an einer Person hängt. Das zählt, sobald die App für Ihr Geschäft wichtig ist. Wenn Kunden darüber bestellen oder Mitarbeitende darüber stempeln, ist ein Ausfall von drei Wochen kein Ärgernis mehr.

Ein Beispiel aus unserem Portfolio: TapTime, die Zeiterfassung für das Schweizer Foodtech-Unternehmen FeelEat. Mitarbeitende halten ihren Badge an einen NFC-Leser am Kiosk und stempeln ein oder aus. Die Einträge werden auch ohne Internet erfasst und gehen ins ERP, über das die Lohnabrechnung läuft. Das sind eine Android-App, Hardware-Abläufe und eine Backend-Anbindung in einem Projekt. Setzen Sie so etwas aus mehreren Freelancern zusammen, halten Sie die Teile selbst zusammen.

Zum Vergleich mit anderen Angeboten: So läuft es bei CODT Technologies ab. Sie beginnen mit einem Workshop von vier Stunden, der nichts kostet. Höchstens drei Arbeitstage später liegt bei Ihnen der Umfang schriftlich vor, zusammen mit unserem Angebot. Ist der Umfang klar, steht darin ein Festpreis. Sind noch Fragen offen, steht davor ein kurzer Discovery-Sprint. Er wird bezahlt und später vollständig angerechnet. Danach bauen wir in Sprints, und Sie sehen in einer Demo pro Woche, wo wir stehen. Nach dem Go-live haben Sie 30 Tage, in denen wir Fehler in unserer Arbeit ohne Kosten beheben; ein Wartungspaket gibt es danach auf Wunsch. Unsere Entwicklung sitzt in Gurugram, Indien, und arbeitet in Ihrer Zeitzone. Die Details stehen auf der Seite zu Preisen und Modellen der Zusammenarbeit. Was wir technisch bauen, zeigt die Seite App-Entwicklung.

Wenn Sie zusätzlich überlegen, ob das Team in Indien sitzen darf: Unser Leitfaden zur Offshore-Entwicklung für Schweizer Unternehmen zeigt, welche Punkte ein Vertrag mit einem Partner im Ausland abdecken sollte.

Sie sind noch unsicher, welches Modell zu Ihrem Vorhaben passt? Beschreiben Sie es uns kurz, und wir schauen es gemeinsam an.

Häufige Fragen

Wie finde ich gute App-Entwickler?

Fragen Sie zuerst nach Apps, die heute im Store sind, und laden Sie sie herunter. Dann sprechen Sie mit einem früheren Kunden des Entwicklers. Achten Sie darauf, ob jemand Rückfragen zu Ihrem Vorhaben stellt. Wer nach zehn Minuten einen Preis nennt, ohne etwas gefragt zu haben, hat Ihr Projekt noch nicht verstanden.

Wann droht bei IT-Freelancern Scheinselbstständigkeit?

Kritisch wird es, wenn ein Freelancer lange und fast nur für Sie arbeitet, Ihren Weisungen folgt und wie ein Teammitglied eingebunden ist. In Deutschland kann die Deutsche Rentenversicherung den Status verbindlich klären. In der Schweiz beurteilt die Ausgleichskasse die wirtschaftliche Realität. Lassen Sie das im Zweifel von einer Fachperson prüfen.

Wie prüfe ich die Referenzen eines App-Entwicklers?

Sprechen Sie mit jemandem, der seine App schon länger als ein Jahr betreibt. Wer die App gerade erst veröffentlicht hat, kann dazu noch wenig sagen. Fragen Sie, wie Updates laufen, wie schnell Fehler behoben werden und ob die Leute von damals noch da sind. Fragen Sie auch, was im ersten Jahr nach dem Launch teurer wurde als geplant.

App entwickeln lassen in der Schweiz: Was gilt bei Freelancern?

In der Schweiz beurteilt die Ausgleichskasse, ob jemand selbstständig arbeitet, und schaut dabei auf die wirtschaftlichen Verhältnisse. Wer nur für einen einzigen Auftraggeber tätig ist, gilt üblicherweise als unselbstständig. Klären Sie den Status bei einer langen Zusammenarbeit mit einer Einzelperson deshalb früh, und halten Sie die Rechte am Code in jedem Fall schriftlich fest.

Aparajita Singh
Geschrieben von

Aparajita Singh

Haben Sie ein Projekt im Sinn?

Erzählen Sie uns davon — wir antworten innerhalb eines Werktags mit einer ehrlichen Einschätzung zu Fit und Umfang.